· Lösen deine Träume in dir nicht Angst aus, sind diese nicht gross genug
· Es ist unwesentlich wie langsam du dich bewegst - wesentlich ist es nicht zu stoppen.
· Zweifle jeden Augenblick, entscheide dennoch.
· Ändere dich, und du veränderst die Welt.
. Wage es, heute den ersten Schritt zu tun um deine Träume wahr werden zu lassen!

Samstag, 7. September 2013

UTMB: Wenn alles "tod" ist. Wer ist es denn, der weiter geht?

Der Mont Blanc

Vor genau einer Woche war ich auf dem Ultra Trail du Mont Blanc (167km/9790HM, das sind 4 Marathons aneinander gereiht plus ein Auf- und Abstieg von der Meereshöhe bis 1000 Höhenmeter über dem Mount Everst) und dies in einer für meine Verhältnisse hervorragenden Zeit von 39h31Min. Noch immer kann ich mir diese Leistung nicht vorstellen geschweige denn erfassen. Was es jedoch ist, es ist
machbar, irgendwie machbar.....


Chamonix City

Der UTMB, so nennt sich der Ultra Trail du Mont Blanc unter Trailläufern ist die Königin der Ultrabergläufe. Die Magie, der Mythos den das Rennen auf Bergläufer ausstrahlt ist nicht zu beschreiben. Es fühlt sich an als strahle eine Sonne von unedlicher Schönheitt am Horizont, eingebetet in einer Bergwelt die alle voller Abenteuer und tiefe Erfahrungen verspricht. Wer am UTMB zu riechen beginnt, kommt fast nicht mehr los davon. Ich habe vor 11 Jahren als die Ausschreibung des ersten UTMB stattfand zum ersten mal Geruch aufgenommen. All die folgenden Jahre hat sich dieser Duft, dieser Gesang der Nymphen in meine Herz in mein Ganzes hineingebrannt.

Viele Freunde konnten sich in den letzten Jahren für die Teilnahme qualifizieren. Ich selbst war buchstäblich zu schwerfällig, zu untrainiert um überhaupt auf die Idee zu kommen mich anzumelden. Bis vor 2 Jahren, als ich es dennoch tat und mich für das Rennen von 2012 angemeldet habe, jedoch keinen Startplatz bekam. Zum Glück wurde ich nicht genommen, denn schlechtes Wetter verhinderte 2012 eine Durchführung auf der Originalstrecke. Ich bekam jedoch einen zugesicherten Startplatz für das Jahr 2013. Dieses Angebot liess ich mir nicht mehr nehmen.

Anstehen für die begehrte Startnummer

Ich hab sie, die Starnummer
Unten anklicken: ein kurzes Video kann zu diesem grandiosen Abenteuer angeklickt werden 

http://www.dailymotion.com/video/xhvppq_the-north-face-ultra-trail-du-mont-blanc_sport?start=1


Reportage zum UTMB 2013:
http://www.dailymotion.com/video/xsuozt_live-the-north-face-ultra-trail-du-mont-blanc_sport?start=8

ca. 1h30Min vor dem Start

Alles nimmt seinen Lauf.  Die Stimmung vor dem Start war dermassen grandios, dass ich nach dem Start umgehend Magendarmkrämpfe bekam.

Wohin wird mich der UTMB führen?


Die Spannung steigt
Aufgrund der weichen Betten in Frankreich war meine gesamte Brustkorbmuskulatur verkrampft. Ich konnte währen der ersten 24h des Wettkampfes ausschliesslich übers Zwerchfell atmen. Gut für mich: das hielt mein Lauftempo tief ;-).

Ein Sportgetränk mit Rote Bete Saft hat meinen Puls dermassen gedrückt, dass mir während der ersten Wettkampfstunden, wenn ich anhielt  schwindlig, gut für mich: ich durfte nicht stoppen ;-)


Leer
Ich sah unterwegs die Sternennacht mit Orion, Kassiopeia, den grossen und kleinen Wagen, ich sah die unendliche Lichterkette der Läufer am Col du Bonhomme und überall wo's nachts rauf und runter ging, ich sah wie die riesige, golden umrahmte und in einem Halo schwebende Mondsichel den Berg küsste, ich traf liebe Freunde die mir halfen und solche denen ich beistehen durfte, ich sah verletzte, ich sah träumende, ich sah lebendige Menschen, ich sah den nicht mehr wissen wohin Mensch der das Ziel dennoch durchschritt, ich lief durch Geröll auf Skipisten, über Bergpfade, durch schmucke Dörfer, Strassen, angepeitscht von einer begeisterten Zuschauermenge, ich hatte einen Menschen der mich im Arm hielt, ich war vor Champex dermassen fertig, dass ich heulend eine 45 Minutige Liegepause einlegen musste.

45 Min. Tiefenentspannung
Mir war eisig kalt, mir war heiss, ich schwitzte, ich trank ca. 15l Flüssigkeit, die letzten Kilometer schienen unendlich, ich überholte Läufer, ich wurde überholt, alles war Sinnlos, alles machte Sinn, meine Schutzschilder mutierten zu weinenden unbeholfenen Kinder, im Angesicht meiner Frau fühlte ich mich geborgen, viele Gedanken, vergessen vor der nächsten Kurve, wer war ich, als ich nicht mehr war, wer läuft wenn der letzte Berg mich komplett auszieht?


Trient: Noch 2 Berge. 

Powernap in Vallorcine
Der letzte Berg
Das Rennen war der reinste Wahnsinn : -) am Schluss Chamonix. Die letzten 3 bis 4 Kilometer laufe ich wieder, schnell, viel zu schnell für meine lädierten Muskeln und langsam schmerzenden Knie. Der letzte Kilometer durch Chamonix, ich laufe immer noch, die Rufe der Zuschauer, die letzte Kurve, ich fliege, meine Frau hinter dem Ziel, der Bogen, das Ziel. Es ist vollbracht.
Im Ziel: alles ist gut
Kein Traum: ich war tatsächlich dabei

Keine Ahnung wie ich das verarbeiten soll. "Es" wird es tun. Heute fühle ich tiefe Berührtheit. Es ist, als hätte ich an etwas aussergewöhnlichem teilnehmen dürfen.

Mir wurde während des Laufs zutiefst bewusst, dass das Erreichen von Zielen nicht immer einfach ist, es gibt keine Abkürzungen :-) 


Traum und Wirklichkeit verbinden sich
Nein, es kann echt eine krasse Herausforderung für das gesamte Wesen, der Seele, Geist (Verstand) und Körper sein.

Ein Traum ist Wirklichkeit geworden, ich habe die Weste zu Hause, ich kann sie anschauen.




Stolz Demut und Berührtheit.
Die Tour um den Mont Blanc ist vollendet. Tiefe Erfahrungen, die Emotionen, die mir zum UTMB ihre Geschichten erzählen, langsam verblassend sich in meinen Erfahrungsschatz eingrabend, mein Verhalten dauerhaft verändernd, unvergessliche Bilder, Begegnungen und Momente, sich in der Unendlichkeit meiner emotionalen Welt sich verlierend um einem Traum gleich wieder aufzutauchen. U T M B .......

Wenn alles "tod" ist, laufe ich, das Wesen die Seele weiter.  Körper, danke dass du dich als Gefährt, um diese Erfahrungen zu machen erhoben hast.